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Sternzeichen Löwe

Das fünfte Zeichen des Tierkreises: ein Feuerzeichen mit fixer Qualität, beherrscht von der Sonne. Was den Löwen wirklich ausmacht – jenseits der Bühne, auf die ihn die meisten Beschreibungen stellen.

Der Feuer-Löwe: majestätischer Löwe aus Flammen vor Sternenhimmel, mit Löwe-Glyphe und dem Schriftzug Löwe
Der Löwe: Feuerzeichen unter der Herrschaft der Sonne – Kraft, Wärme und Strahlkraft.
Regulus – im Herzen des Löwen, seit der Antike der Stern königlicher Würde schlechthin.

Der Löwe auf einen Blick

Zeitraum
ca. 23. Juli – 23. August
Element
Feuer
Qualität
fix
Polarität
männlich / aktiv
Herrscher
Sonne
Symbol
der Löwe, Glyphe ♌
Stellung im Tierkreis
fünftes Zeichen
Gegenzeichen
Wassermann

Das „ca." im Zeitraum ist keine Nachlässigkeit: Die Sonne wechselt rund um den 23. August je nach Jahr und Uhrzeit zwischen Löwe und Jungfrau, ebenso am unteren Rand um den 23. Juli. Wer an einem dieser Tage geboren ist, sollte sein Zeichen mit der exakten Geburtszeit berechnen statt es aus einer Tabelle abzulesen – an Grenztagen liegen zwischen zwei Zeichen manchmal nur Stunden.

Der Löwe ist das Zeichen des sichtbaren Selbst. Er will nicht einfach existieren, sondern Ausdruck finden – zeigen, was in ihm steckt, und dafür gesehen werden. Aus dieser einen Bewegung erklären sich fast alle seine Eigenschaften: die Großzügigkeit ebenso wie der Stolz, die Wärme ebenso wie die Empfindlichkeit.

Weil er ein fixes Feuerzeichen ist, brennt dieses Feuer nicht in Schüben, sondern dauerhaft. Der Löwe ist beständiger als der Widder und geduldiger als der Schütze; er hält Kurs. Und weil ihn die Sonne beherrscht, jener Himmelskörper, der im Horoskop für Lebenskraft und Wesenskern steht, ist der Löwe unter allen Zeichen dasjenige, dessen Antrieb und dessen Ausdruck aus derselben Quelle stammen.

Wesen und Charakter des Löwen

Wer einen Löwen kennt, kennt zuerst seine Wärme. Löwen strahlen – nicht im Sinne von Lautstärke, sondern im Sinne von Präsenz. Sie füllen einen Raum, oft ohne es zu wollen, und die meisten Menschen fühlen sich in ihrer Nähe wohler, größer, mehr gesehen. Das ist die Kernbegabung dieses Zeichens: Es gibt ab. Wie die Sonne, die nicht sammelt, sondern ausstrahlt.

Daraus folgt die berühmte Großzügigkeit des Löwen. Sie ist selten berechnend und fast nie kleinlich – Löwen teilen ihre Zeit, ihr Geld, ihre Aufmerksamkeit und ihre Bühne. Wer zum Kreis eines Löwen gehört, wird verteidigt, gefördert und vorgestellt. Der Beschützerinstinkt gehört unmittelbar dazu: Löwen stellen sich vor die Ihren, ohne lange abzuwägen, ob es klug ist.

Loyalität ist ihre zweite Kardinaltugend, und sie ist ein Merkmal der fixen Qualität. Löwen halten – an Menschen, an Überzeugungen, an einmal gegebenen Zusagen. Ein Löwe, der sich entschieden hat, entscheidet nicht ständig neu. Diese Beständigkeit macht ihn zu einem verlässlichen Freund und zugleich zu einem schwer umzustimmenden Gegner.

Selbstbewusstsein und Führungsstärke hängen zusammen. Löwen übernehmen Verantwortung gern, weil sie sich zutrauen, sie zu tragen, und weil sie schlecht damit umgehen, wenn andere es schlecht tun. Ihre Art zu führen ist dabei charakteristisch: Sie ist nicht bürokratisch, sondern persönlich. Ein Löwe führt über Begeisterung, Vorbild und Zuwendung – und funktioniert dort am besten, wo Menschen ihm folgen wollen, nicht müssen.

Die Kreativität des Löwen ist weniger grüblerisch als gestalterisch. Es geht ihm um Ausdruck: eine Sache mit eigener Handschrift machen, sichtbar hinterlassen, dass er dagewesen ist. Deshalb ist der Löwe in kreativen und darstellenden Feldern so häufig zu Hause – aber ebenso in jedem Beruf, in dem man mit eigener Person auftritt.

Bleibt der Stolz, und der ist der meistmissverstandene Zug dieses Zeichens. Der Stolz des Löwen ist kein Aufputschmittel für ein schwaches Selbstbild, sondern seine Würde: der innere Maßstab, unter dem er nicht handeln will. Er ist der Grund, warum Löwen sich selten kleinlich verhalten – und zugleich der Grund, warum sie so schwer zugeben können, sich geirrt zu haben.

Zur Bühne noch ein Wort, weil kaum ein Klischee so hartnäckig ist. Nicht jeder Löwe steht gern im Mittelpunkt; viele sind zurückhaltend, manche ausgesprochen scheu. Was aber alle brauchen, ist ein Feld, in dem sie wirken – ein Kreis von Menschen, ein Handwerk, eine Aufgabe, in der ihr Beitrag sichtbar ist. Ein Löwe ohne solches Feld wird nicht bescheiden, sondern unglücklich.

Stärken und Schwächen des Löwen

Die folgenden Listen gehören zusammen, und zwar enger, als es aussieht: Jede Schwäche ist die Kehrseite einer Stärke, nicht ihr Gegenteil. Wer den Stolz eines Löwen entfernte, verlöre auch seine Großzügigkeit.

Stärken

  • Großzügigkeit – gibt Zeit, Mittel und Anerkennung
  • Herzenswärme und Präsenz
  • Loyalität, auch über schwere Phasen hinweg
  • Selbstbewusstsein und Entschlussfreude
  • Kreativität und eigene Handschrift
  • Führungsstärke über Begeisterung statt Druck
  • Mut, sich vor andere zu stellen

Schwächen

  • Eitelkeit – Wirkung wird wichtiger als Sache
  • Dominanz, auch unbeabsichtigt
  • Sturheit als fixes Zeichen
  • Empfindlichkeit bei Kritik
  • Anerkennungshunger bis zur Abhängigkeit
  • Schwierigkeit, Irrtümer einzugestehen
  • Neigung, Räume zu füllen, die anderen gehören

Eitelkeit entsteht dort, wo aus dem Wunsch, sich auszudrücken, der Wunsch wird, gut dazustehen. Der Unterschied ist fein, aber folgenreich: Im ersten Fall geht es um die Sache, im zweiten um das Bild. Löwen merken diesen Kipppunkt bei sich oft zuletzt.

Dominanz ist selten böse gemeint. Ein Löwe, der begeistert ist, redet, entscheidet und organisiert – und bemerkt nicht, dass daneben jemand verstummt. Die eigentliche Reifeaufgabe dieses Zeichens liegt hier: Raum lassen, ohne sich zu verkleinern.

Sturheit ist der Preis der Beständigkeit. Fixe Zeichen sind schwer zu bewegen, und beim Löwen kommt hinzu, dass ein Rückzug leicht wie ein Gesichtsverlust wirkt. Der praktische Umgang damit ist bekannt und funktioniert: Wer einem Löwen einen Ausweg lässt, der seine Würde intakt hält, bekommt fast immer Bewegung.

Empfindlichkeit bei Kritik überrascht viele, weil sie nicht zur souveränen Fassade passt. Sie ist aber logisch: Wer sich über den eigenen Ausdruck definiert, erlebt Kritik an seiner Arbeit als Kritik an seiner Person. Löwen verlangen daher nicht Milde, sondern Respekt in der Form – unter vier Augen und ohne Publikum ist ein Löwe erstaunlich zugänglich.

Der Anerkennungshunger schließlich ist die verletzlichste Stelle des Zeichens. Solange Anerkennung Rückmeldung ist, trägt sie; wird sie zur Bedingung, verliert der Löwe seine Unabhängigkeit an das Urteil anderer. Reife heißt in diesem Zeichen: strahlen, ohne dafür bezahlt werden zu müssen.

Dein Sonnenzeichen ist nur der Anfang

An dieser Stelle ist Ehrlichkeit nötig, denn hier endet der Nutzen jeder allgemeinen Zeichen-Beschreibung – auch dieser.

Das Sonnenzeichen sagt, wo die Sonne am Tag der Geburt stand. Das ist eine echte und wichtige Information: Die Sonne beschreibt den Wesenskern, den bewussten Willen, das, was ein Mensch werden will. Aber sie ist einer von zehn Faktoren. Ein Horoskop enthält alle Planeten, die zwölf Häuser und die Aspekte zwischen ihnen – und wer nur die Sonne kennt, kennt einen Buchstaben, nicht das Wort.

Vier Stellungen verändern das Bild eines Löwen am stärksten:

Und schließlich zählt die Hausstellung: In welchem Lebensbereich die Löwe-Sonne steht, entscheidet mit, wo dieses Zeichen tatsächlich sichtbar wird – in der Öffentlichkeit, in der Familie, in der Arbeit. Welcher Bereich zu welchem Haus gehört, steht unter Was bedeuten die 12 Häuser?, und weil die Häuser vom Aszendenten aus gezählt werden, braucht dieser Teil eine genaue Geburtszeit.

Deshalb gilt für alles, was auf dieser Seite steht: Es beschreibt eine Grundtendenz, kein Urteil über einen Menschen. Wer die Löwe-Beschreibung liest und sich in Teilen nicht wiederfindet, hat kein falsches Sternzeichen – er hat ein Horoskop.

Liebe und Partnerschaft

Der Löwe liebt sichtbar. Er wirbt aktiv, verheimlicht seine Zuneigung nicht und macht gern große Gesten – nicht, um zu beeindrucken, sondern weil Zeigen für ihn dazugehört. In einer Beziehung ist er großzügig, beschützend und stolz auf seinen Menschen; er stellt ihn vor, verteidigt ihn und freut sich an seinem Erfolg.

Was er dafür braucht, wird oft als Eitelkeit gelesen und ist in Wahrheit seine Empfangssprache: Anerkennung. Nicht Schmeichelei, sondern echtes Interesse und die Rückmeldung, dass sein Geben ankommt. Ein Löwe, der sich gesehen fühlt, gehört zu den treuesten Partnern des Tierkreises. Ein Löwe, der für selbstverständlich genommen wird, verliert nicht laut die Geduld – er zieht sich innerlich zurück, oft lange bevor er etwas sagt.

Zur Kompatibilität lohnt eine differenzierte Betrachtung, weil die üblichen Listen zu grob sind:

Diese Regeln beschreiben allerdings nur das Verhältnis zweier Sonnenzeichen. In der Praxis entscheiden vor allem Venus und Mars: Venus zeigt, was jemand in der Liebe sucht und gibt, Mars, wie er begehrt und streitet. Zwei Löwen mit gegensätzlichen Venus-Ständen erleben Liebe unterschiedlicher als ein Löwe und ein Stier mit derselben Venus. Der methodisch saubere Weg ist deshalb der Vergleich der beiden vollständigen Horoskope – die Synastrie, die Aspekte zwischen zwei Radices auswertet statt Zeichen gegen Zeichen zu stellen.

Fachtiefe: Dekaden, Herrschaft und Würden

Der folgende Abschnitt richtet sich an Leser, die schon mit Horoskopen arbeiten. Für das Verständnis der oberen Abschnitte ist er nicht nötig.

Die drei Dekaden des Löwen

Jedes Zeichen wird in drei Dekaden von je zehn Grad geteilt. Nach der gängigen Triplizitäts- bzw. Dekanaten-Zuordnung erhält jede Dekade einen Unterherrscher aus demselben Element – beim Löwen also aus dem Feuer-Trigon.

1. Dekade: 0°–10° Löwe (ca. 23.07.–02.08.) – Unterherrscher Sonne

Der Löwe in Reinform: Herrscher und Unterherrscher sind identisch. Diese Dekade gilt als die ausgeprägteste – selbstbewusst, warm, unmittelbar im Ausdruck, mit dem stärksten Bedürfnis nach Sichtbarkeit. Hier liegt auch der Fixstern Regulus, der Königsstern, was der ersten Dekade traditionell einen betont königlichen Klang gibt.

2. Dekade: 10°–20° Löwe (ca. 03.08.–12.08.) – Unterherrscher Jupiter

Jupiter fügt Weite, Optimismus und ein Bedürfnis nach Sinn hinzu. Diese Dekade wird als großzügiger, weltoffener und lehrhafter gelesen – der Löwe, der nicht nur wirken, sondern etwas vertreten will. Kehrseite ist eine Neigung zum Zuviel: zu große Pläne, zu großes Geltungsbedürfnis.

3. Dekade: 20°–30° Löwe (ca. 13.08.–23.08.) – Unterherrscher Mars

Mars schärft und beschleunigt. Diese Dekade gilt als kämpferischer, ehrgeiziger und durchsetzungsstärker, mit mehr Bereitschaft zur Konfrontation. Der Ausdruck wird direkter, das Feuer heißer – und die Reibung mit anderen Willen häufiger.

Dekaden sind eine Feinunterteilung, keine zweite Wahrheit. Sie färben, aber sie überschreiben nichts, und wer den exakten Sonnengrad nicht kennt, kann sie nicht sicher zuordnen. Zu unterscheiden ist die hier verwendete Triplizitäts- bzw. Dekanaten-Zuordnung außerdem von den älteren Dekan-Herrschern, den sogenannten Faces, die für den Löwen eine abweichende Reihe ergeben. Die Triplizitäts-Variante ist die in der modernen westlichen Praxis verbreitetere.

Die Sonne als Herrscher

Der Löwe ist ein Sonderfall unter den Zeichen: Sein Herrscher ist kein Planet, sondern das Zentralgestirn. Zusammen mit dem Krebs, den der Mond regiert, bildet er das Paar der beiden Lichter, und beide Zeichen haben – anders als alle übrigen – nur je einen Herrscher, ohne die Nebenherrschaft, die die moderne Astrologie etwa Skorpion oder Fischen zuspricht.

Praktisch bedeutet das: Bei einem Löwe-Horoskop ist die Sonne immer doppelt wichtig – als allgemeiner Anzeiger des Wesenskerns und als Herrscher des Sonnenzeichens. Ihr Haus, ihre Aspekte und ihre Würde bekommen dadurch mehr Gewicht als bei anderen Zeichen. Was die Sonne im Horoskop grundsätzlich leistet, steht unter Die Planeten in der Astrologie.

Entsprechung zum fünften Prinzip

Der Löwe ist das fünfte Zeichen und entspricht damit dem fünften Prinzip des Tierkreises – jenem, das im Häuserkreis vom fünften Haus vertreten wird: schöpferischer Ausdruck, Spiel, Kinder, Freude, das Zeigen des Eigenen. Diese Entsprechung ist analog, nicht identisch: Zeichen und Häuser sind zwei verschiedene Ebenen, und eine Löwe-Sonne steht nicht automatisch im fünften Haus. Die Analogie erklärt aber, warum sich Löwe-Themen und Fünfthaus-Themen in Deutungen so oft überlagern.

Würden im Löwen

Die klassische Lehre der Würden beschreibt, wie gut ein Planet in einem Zeichen arbeiten kann. Für den Löwen gilt:

Auch hier gilt Zurückhaltung: Würden sind ein Gewichtungswerkzeug, keine Wertung eines Menschen. Ein Saturn im Löwen arbeitet gegen den Strich seines Zeichens – das macht ihn nicht schlecht, sondern beschreibt eine Aufgabe: Autorität finden, ohne sich dabei die Freude zu verbieten.

Regulus, der Königsstern im Herzen des Löwen

Regulus (α Leonis) ist der hellste Stern des Sternbilds und trägt seit der Antike den Beinamen „Cor Leonis" – das Herz des Löwen. Schon die babylonische Sternkunde führte ihn als Königsstern; der lateinische Name, den ihm Kopernikus’ Zeitgenossen gaben, bedeutet wörtlich „kleiner König". Kaum ein anderer Fixstern ist so konsequent mit Herrschaft, Rang und Legitimität verknüpft worden.

Astrologisch gehört Regulus zu den vier persischen Königs- bzw. Wächtersternen und gilt darin als Wächter des Nordens. Die drei anderen sind Aldebaran im Stier (Osten), Antares im Skorpion (Westen) und Fomalhaut am Übergang zu den Fischen (Süden). Gemeinsam bilden sie im persischen Horoskopsystem kein Sammelsurium einzelner Sterne, sondern ein Ordnungsraster: vier Wachposten, die den Himmel in Quadranten teilen. In der Deutung trägt Regulus deshalb ein sehr löwenhaftes Thema – Autorität, Anspruch, Verantwortung für andere – zusammen mit der klassischen Warnung, dass geliehene Würde verfällt, wenn sie missbraucht wird. Wer diesem Ordnungsraster weiter nachgehen will, findet es in stellunos Zarathustra-Welt Stern für Stern aufbereitet.

Mythologie und Kulturgeschichte des Löwen

Die bekannteste Geschichte zum Sternbild ist die des Nemeischen Löwen, eines Ungeheuers mit einem Fell, das keine Waffe durchdringen konnte. Ihn zu besiegen war die erste der zwölf Aufgaben des Herakles. Weil Pfeile und Keule nutzlos blieben, erwürgte er ihn mit den Händen – und trug das unverwundbare Fell danach als Rüstung, weshalb Herakles in der antiken Kunst fast immer im Löwenfell erscheint. Der Überlieferung nach wurde das Tier zur Erinnerung an diesen Kampf als Sternbild an den Himmel gesetzt.

Älter und kulturgeschichtlich noch wirkungsvoller ist der Löwe als Königstier des Alten Orients. Die assyrischen Herrscher ließen sich über Jahrhunderte bei der Löwenjagd darstellen: Der König, der den Löwen bezwingt, beweist damit seine Fähigkeit, das Chaos zu bändigen – ein politisches Bild, kein Jagdbericht. In Mykene führt das Löwentor in die Burg, flankiert von zwei Raubkatzen als Wächtern der Herrschaft. Über den ganzen Mittelmeerraum hinweg wurde der Löwe zudem mit der Sonne verbunden – Farbe, Mähne, Kraft im heißesten Teil des Jahres –, und weil die Sonne selbst Herrschaftssymbol war, schloss sich der Kreis: Löwe, Sonne und Königtum bilden bis in die europäische Heraldik hinein eine Einheit. Dass die Astrologie dem Löwen die Sonne als Herrscherin zuweist, steht in genau dieser Tradition.

Die Magier und der Stern von Bethlehem

Ein Punkt, an dem Löwen-Astrologie und Religionsgeschichte sich berühren, verdient eine genaue Formulierung. Im Matthäusevangelium kommen „Magier aus dem Osten" – im griechischen Text magoi. Dieser Begriff bezeichnet die persisch-zoroastrische Priester- und Sternkundler-Kaste; das ist sprachlich und historisch gut belegt und schlägt eine zweite Brücke zu jener Tradition, die stelluno in der Zarathustra-Welt aufbereitet. Wichtig ist, was der Text nicht sagt: Er nennt weder eine Zahl noch Könige. Die „Drei Könige" mit Namen und Kronen sind spätere christliche Überlieferung, nicht Bibeltext.

Zum Stern von Bethlehem selbst gibt es mehrere astronomische Deutungsversuche, und mehrere davon führen ausgerechnet in den Löwen: Sie arbeiten mit Regulus, dem Königsstern, und mit Jupiter, der in der antiken Astrologie als Königsplanet gilt – etwa mit Konjunktionen von Jupiter und Regulus, die als Ankündigung eines „neugeborenen Königs" gelesen werden können. Das passt bemerkenswert gut zum Motiv der Erzählung. Ebenso klar muss aber gesagt sein: Solche Rekonstruktionen sind Theorien, keine gesicherten Tatsachen. Es gibt konkurrierende Modelle, und keines ist beweisbar. Wer hier Eindeutigkeit behauptet, verkauft eine Deutung als Befund.

Verbreitete Irrtümer über den Löwen

Kaum ein Zeichen wird so oft mit einer Karikatur seiner selbst verwechselt.

„Löwen wollen immer im Mittelpunkt stehen." Das trifft auf einen Teil zu und auf viele überhaupt nicht: Es gibt zurückhaltende, sogar ausgesprochen scheue Löwen. Was alle brauchen, ist kein Publikum, sondern ein Feld, in dem sie wirken – eine Aufgabe, ein Handwerk, ein Kreis von Menschen, in dem ihr Beitrag sichtbar Folgen hat. Ein Löwe ohne solches Feld wird nicht bescheiden, sondern unglücklich; das ist der Unterschied zwischen Geltungssucht und Wirksamkeit.

„Löwen sind eitel." Stolz und Eitelkeit werden hier regelmäßig verwechselt. Der Stolz des Löwen ist Würde – ein innerer Maßstab, unter dem er nicht handeln will, und genau der Grund, warum Löwen sich selten kleinlich verhalten. Eitelkeit beginnt erst dort, wo an die Stelle der Sache das Bild tritt. Das ist eine reale Kippgefahr dieses Zeichens, aber nicht seine Grundeigenschaft.

„Löwen sind großzügig, weil sie etwas zurückwollen." Die Großzügigkeit des Löwen ist selten berechnend; sie folgt dem Sonnenprinzip, das ausstrahlt statt sammelt. Richtig ist, dass er Rückmeldung braucht – aber Anerkennung ist bei ihm die Sprache, in der er Zuwendung empfängt, nicht der Preis, den er für sein Geben verlangt.

„Ein Löwe ist immer dominant." Wie stark ein Löwe auftritt, entscheidet nicht das Sonnenzeichen allein, sondern der Aszendent, der Mond und die Hausstellung der Sonne. Ein Löwe mit Fische-Mond und Jungfrau-Aszendent wirkt auf niemanden dominant – und ist trotzdem ein Löwe. Auch mit den anderen Feuerzeichen Widder und Schütze teilt er das Element, nicht das Temperament: Der Widder stößt an, der Schütze weitet aus, der Löwe hält die Mitte.

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Häufige Fragen zum Sternzeichen Löwe

Von wann bis wann ist das Sternzeichen Löwe?

Der Löwe umfasst in der westlichen Astrologie ungefähr den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 22. August. Die genauen Grenzen verschieben sich je Jahr um bis zu einen Tag, weil der Eintritt der Sonne in ein Zeichen ein astronomischer Zeitpunkt ist und kein Kalendertag. Wer am Rand geboren ist, also um den 23. Juli oder den 22. August, sollte das Sonnenzeichen mit Geburtszeit berechnen lassen statt es aus einer Tabelle abzulesen.

Welches Element und welche Qualität hat der Löwe?

Der Löwe ist ein Feuerzeichen mit fixer Qualität und männlicher, also aktiver Polarität. Feuer steht für Ausdruck, Begeisterung und Willen. Fix bedeutet Beständigkeit: Der Löwe eröffnet keine Jahreszeit und beendet sie nicht, er hält sie auf ihrem Höhepunkt. Aus dieser Kombination ergibt sich sein Kern – ein Feuer, das nicht auflodert und verglüht, sondern gleichmäßig und dauerhaft brennt.

Welcher Planet beherrscht den Löwen?

Der Löwe wird von der Sonne beherrscht und ist damit das einzige Zeichen, dessen Herrscher kein Planet im engeren Sinn ist, sondern das Zentralgestirn selbst. Die Sonne steht im Horoskop für das Ich, die Lebenskraft und den Wesenskern. Weil sie zugleich Herrscher und Prinzip des Zeichens ist, gilt der Löwe als besonders geschlossenes Zeichen: Sein Antrieb und sein Ausdruck stammen aus derselben Quelle.

Welche Eigenschaften und Schwächen hat der Löwe?

Zu den Stärken des Löwen zählen Großzügigkeit, Herzenswärme, Loyalität, Selbstbewusstsein, Kreativität, Führungsfähigkeit und ein ausgeprägter Beschützerinstinkt. Seine Schwächen sind die Kehrseite derselben Anlagen: Eitelkeit, Dominanz, Sturheit als fixes Zeichen, Empfindlichkeit bei Kritik und ein Hunger nach Anerkennung, der ihn abhängig vom Urteil anderer machen kann. Entscheidend ist, dass beide Seiten aus einer Wurzel stammen – wer den Stolz des Löwen entfernt, verliert auch seine Wärme.

Welches Sternzeichen passt am besten zum Löwen?

Klassisch harmoniert der Löwe leicht mit den anderen Feuerzeichen Widder und Schütze und mit den Luftzeichen Zwillinge, Waage und Wassermann, weil Luft Feuer nährt. Reibungsreicher sind die übrigen fixen Zeichen Stier, Skorpion und Wassermann, weil dort zwei unbewegliche Willen aufeinandertreffen. Diese Regeln beschreiben aber nur Grundtendenzen zwischen Sonnenzeichen. Ob es zwischen zwei Menschen wirklich passt, zeigt erst der Vergleich der vollständigen Horoskope, die Synastrie, in der vor allem Mond, Venus und Mars zählen.

Wie liebt der Löwe?

Der Löwe liebt großzügig, warm und sichtbar. Er wirbt aktiv, macht große Gesten und stellt seine Zuneigung nicht in Frage – dafür möchte er gesehen und bewundert werden. Anerkennung ist für ihn keine Eitelkeit, sondern die Sprache, in der er Liebe empfängt. Wer ihn wertschätzt, gewinnt einen der loyalsten und beschützendsten Partner des Tierkreises; Gleichgültigkeit oder Herabsetzung verletzen ihn tiefer, als er zeigt. Wie er begehrt und wie er wirbt, hängt zusätzlich von seinem Venus- und Mars-Stand ab.